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DREBE - Der Mond ist ausgefallen (2019)

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Mitfühlende Folk-Chansons: Drebe schreibt für "Der Mond ist ausgefallen" andächtige, nachdenkliche, deutschsprachige Lieder, die sich mit Sinnfragen und Problembewältigungsstrategien befassen. Bei Drebe ist der Mond nicht aufgegangen, sondern ausgefallen. Dieser trockene Humor verhalf dem Wahl-Hamburger Pascal Hissnauer auch schon zu einem putzigen Titel für sein erstes Studio-Album, das 2013 erschien und „Nudeln mit Spinat in Käsesoße“ hieß. Gleich vorweg: Auch wenn die Namen der Platten witzig-eigenartig sind, zählt Drebe nicht zu den Blödel-Barden. Ganz im Gegenteil: Er ist ein ernsthafter, hintergründiger Liedermacher mit zumeist Folk-inspirierten, ruhigen Songs. Das Titelstück des neuen Werkes verbreitet aber erst einmal eine lockere Wohlfühlatmosphäre. Der von einer gefühlvollen Band-Begleitung eingebettete Song wird durch glitzernd-wehende Keyboards flauschig ausgepolstert und feiert textlich den angenehmen, beglückenden Zustand geistiger Schwerelosigkeit. „Ru...

Xylouris White - The Sisypheans (2019)

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Die bizarre, experimentelle traditionelle Folklore von Xylouris White ist bei "The Sisypheans" eine abenteuerliche, anstrengende Herausforderung für die Ohren. George Xylouris ist ein Grieche aus Kreta, der die langhalsige kretische Laute spielt und dazu singt. Aber die Musik, die er zusammen mit dem australischen Dirty Three-Schlagzeuger Jim White entwirft, wird wohl in keiner Taverne seines Heimatlandes laufen. Zu wagemutig und unberechenbar sind die Töne, die sie für ihre Kompositionen zusammenstellen. Zu fremdartig ist ihre Verbindung von Avantgarde mit traditionellen Klängen, um damit ein Massenpublikum zu erreichen. Jim White und George Xylouris, dessen Vater der in Griechenland berühmte Lyra-Spieler und Sänger Antonis „Psarantonis“ Xylouris ist, haben sich 1990 in Melbourne kennengelernt, als Vater und Sohn Xylouris dort ein Konzert gaben. George und Jim stellten fest, dass sie Fans voneinander waren und freundeten sich an. Allerdings spielten sie erst 2009 das erst...

Bob Dylan - Travelin' Thru, 1967 - 1969, The Bootleg Series Vol. 15 (2019)

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Die offizielle Bootleg-Serie Nr. 15 "Travelin' Thru, 1967 - 1969, The Bootleg Series Vol. 15" befasst sich mit Bob Dylans Aktivitäten von 1967 bis 1969. In diesem Fall ist das die Zeit zwischen „John Wesley Harding“ und „Self Portrait“. „Travelin' Thru, 1967 - 1969, The Bootleg Series Vol. 15“ beleuchtet eine auf den ersten Blick eher unscheinbar erscheinende Phase in der „Never Ending“-Karriere des Ausnahmekünstlers Bob Dylan. Nach den kreativen Höhenflügen mit dem Dreigestirns „Bringing It All Back Home“ und „Highway 61 Revisited“ (1965) sowie „Blonde On Blonde“ (1966), den aufreibenden, polarisierenden Tourneen und dem Motorradunfall im Juli 1966 war es Zeit für eine Auszeit, um zur Ruhe zu kommen, Wunden zu lecken, sich auszukurieren und dabei den Karriereverlauf neu zu durchdenken und zu planen. Nach der Genesung verschanzte sich Dylan zwischen Juni und Oktober 1967 im Keller eines pinkfarbenen Hauses in West Saugerties im Staate New York („The Big Pink“ genannt)...

R.E.M. - Monster (1994 / 2019)

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25 Jahre „Monster“: Als R.E.M. 1994 ihre Rock-Wurzeln reaktivierten. 2008 gaben sie ihr letztes Konzert in Mexico City, Anfang 2011 nahmen sie für „Collapse Into Now“ in den Hansa Studios in Berlin das letzte Mal gemeinsam Songs auf und im September 2011 verkündeten sie das Ende von R.E.M.. Damals hatten (nicht nur) Michael Stipe (Gesang), Peter Buck (Gitarre) und Mike Mills (Bass) den Eindruck, alles sei gesagt und getan worden. Weitere Aktivitäten würden nur noch Wiederholungen mit sich bringen. Heute werden die Musiker allerdings schmerzlich vermisst, weil sie eine Konstante für ehrliche, aufrichte Statements, bedeutende Songs und Integrität gewesen waren. Begonnen hatte alles 1980 in Athens, Georgia, als sich die Musik-Nerds zusammen mit dem Schlagzeuger Bill Berry in der Subkultur herumtrieben, um kantigen, lauten Garagen-Rock wieder hoffähig zu machen. Mit ihrer ersten Single „Radio Free Europe“ trug das Quartett 1981 zur Verbreitung des Alternative-Folk-Rock und College-Rock ...

Fink - Bloom Innocent (2019)

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Reduziert auf das Wesentliche: Fink erschafft mit „Bloom Innocent“ unaufdringliche Töne von inniger Anmut, bezaubernder Schönheit und attraktiver Beweglichkeit. Ist es Zufall, Kalkül oder magische Fügung, dass sich auf dem Cover der neuen Fink-Platte ein einzelner Baum befindet, der ähnlich einnehmend wie der auf „Spirit Of Eden“ (1988) von Talk Talk erscheint? Das ist deshalb so bemerkenswert, weil beide Werke vergleichbare musikalische Inhalte aufweisen: Meditative Einkehr, eine weniger-ist-mehr-Philosophie, eine unorthodoxe Vorgehensweise, brennende Intensität, Liebe zum Detail, stilistische Unabhängigkeit und kompromisslose Sinnsuche. Finian Paul Greenall, der Mann, der das Projekt Fink organisiert, hat sich seit 2000 vom Folktronic-Artist und Blues-Liebhaber zum kunstvollen, ehrgeizigen Singer-Songwriter entwickelt und „Bloom Innocent“ ist die derzeitige Krönung dieser Metamorphose, die ihn als voll ausgereiften, eigenständigen Künstler ausweist. Der Track „Bloom Innocent“ is...

Nils Frahm - All Encores (2019)

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Zugaben: Nils Frahm ergänzt bei "All Encores" seine Veröffentlichungen mit einer Zusammenstellung aus besinnlichen und hypnotischen Klängen. Nils Frahm baut Ruhe und Stille in seine Kompositionen ein. Das Experimentelle wirkt deshalb nicht anstrengend, sondern wird Teil eines organischen Vorgangs, der keine Möglichkeiten von vornherein ausschließt. Stilzuordnungen wie Klassik, Jazz, Ambient, Avantgarde oder Pop verlieren ihre Bedeutung. Die Töne purzeln, rauschen, klopfen, wispern und zirpen in unterschiedlichen Intensitäten und Tempi, als verfolgten sie das Ziel, beim Hörer Staunen, Neugierde oder Achtsamkeit hervorzurufen. Die Anordnung der Kompositionen erscheint nicht zufällig, sondern scheint mit mathematischer Logik festgelegt worden zu sein. So eröffnet sich ein Klangkosmos, der viele Freunde von anspruchsvoller Unterhaltung vereinen kann. Darauf beruht wahrscheinlich auch der große Erfolg von „All Melodies“ aus 2018. Hinter „All Encores“ steht allerdings ein etwa...

Sean O`Hagan - Radum Calls, Radum Calls (2019)

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Unverdrossene Verehrung: Sean O`Hagan plündert mit "Radum Calls, Radum Calls" weiterhin die Gedankenwelt von großen Pop-Innovatoren. Sean O`Hagan ist ein irischer Sound-Ingenieur, Feingeist und Pop-Experimentator, der in den 1980er Jahren mit der Formation Microdisney charmant-herausfordernden Pop in der Qualität von  Prefab Sprout  entwickelte. Unter eigenem Namen zelebrierte er in der Tradition von  Fleetwood Mac ,  Eagles  und Steely Dan die Schönheit und Anmut von sehnsuchtsvollen Melodien. Als The High Llamas wandelte der detailverliebte Musiker danach auf den psychedelisch-barocken Spuren der „Pet Sounds“- und „ Smile “-Erfinder  Brian Wilson  und Van Dyke Parks, brachte seine Liebe zu Bossa Nova und Ennio Morricone ein und probierte sich nebenher als fortschrittlicher Aktivist der elektronischen Musik aus. „Radum Calls, Radum Calls“ ist nun nach „High Llamas“ (1990) und der Zusammenarbeit mit Tim Gane ( Stereolab ) für den Soundtrack von „L...

Hodja - We Are The Here And Now (2019)

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Hodja gehen mit "We Are The Here And Now" dahin, wo es weh tut und leben ihren brodelnden, animalischen, schweißtreibenden Underground-Rock aus. Das Trio Hodja mit Wurzeln in Dänemark und den USA agiert fiebrig, ungeschliffen, traditions- und selbstbewusst sowie rumpelig-abgehangen und holt sich seine Inspirationen beim frühen Rhythm & Blues und bei diversen Underground-Rockern aus allen Dekaden seit den 1960ern. Nach „ Hodja The Band “ (2015), „ Halos “ (2016) und „ The Flood “ (2018) geht der Wahnsinn jetzt mit " We Are The Here And Now"  ungebremst weiter. Du meine Güte! Wie viel Wut muss sich aufgestaut haben, um solch brachiale Töne absondern zu können? „God Of War“ verbreitet Chaos und Anarchie und feiert zwischendurch ausgelassen mit HipHop-Einschüben. Diese Gegensätze stoßen sich hemmungslos ab und bilden ein zum zerreißen intensives Stück. Rolle rückwärts: Der Track „We Are The Here And Now“ wirkt schläfrig oder desillusioniert. Musikalisch wird vo...

Mark Lanegan Band - Somebody`s Knocking (2019)

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  „Somebody’s Knocking“ ist Mark Lanegans Verbeugung vor den Helden seiner Jugend. Mit der Band-Ausprägung verfolgt Mark Lanegan eine andere Zielrichtung wie als Solo-Künstler oder bei seinen vielfältigen anderen Projekten. Nach „Gargoyle“ (2017), das sein Verhältnis zum dramatischen New Wave nochmal eindrucksvoll dokumentierte, berichtete er jetzt davon, schon lange ein Fan von New Order und Depeche Mode zu sein. Die Mark Lanegan Band frönt auf „Somebody's Knocking“ nun deutlich dem rhythmisch sprudelnden Dark & Gothik-Wave der 1980er Jahre, wobei die Einflüsse dieses Mal im Einzelfall sogar offensichtlich und eindeutig zuzuordnen sind.   Lanegan agiert bei „Disbelief Suspension“ und „Radio Silence“ relativ aufmüpfig und aggressiv, indem er seine natürliche Aggressivität merklich, aber dennoch im Einklang mit der kontrolliert-wütenden Instrumentierung von der Leine lässt. Mark sieht sich da nachvollziehbar in der Tradition von   Iggy Pop . Die...

The Clash - London Calling (1979 / 2019)

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Verrat am Punk oder natürliche Weiterentwicklung? „London Calling“ von The Clash machte Punk 1979 durch Stil-Fusionen salonfähig und bekam jetzt nochmal eine klangliche Auffrischung verpasst. Die Punk-Bewegung hat in England bis zum Ende der 1970er Jahre mindestens zwei Gruppierungen hervorgebracht, die außer ihrem Bürgerschreck-Verhalten auch Musik entworfen haben, deren Wirkung den provokanten und aufrührerischen Zeitgeist überdauert hat. So erlangte „ Here`s The Sex Pistols“ der Sex Pistols von 1977 bereits Rock-Klassiker-Status. Und The Clash bewiesen mit einem wesentlich umfangreicheren Output, dass sich Punks von Dilettanten zu ernsthaften, qualifizierten Musikern entwickeln konnten. Die Band lernte von 1976 bis 1979 handwerklich, ideologisch und geschmacklich so viel dazu, dass das Punk-Image für ihr drittes Album „London Calling“ (das eigentlich „The Last Testament“ heißen sollte) viel zu eng geworden war. Im Grunde genommen ist diese gelebte musikalische Öffn...