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Verborgene Plattenschätze: Celso Fonseca - Natural (2003)

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DER Soundtrack für einen endlosen Sommer. Musik wie eine sanfte, warme Brise. Wie das Abbild einer perfekten Entspannung und des wohligsten Momentes, den man sich vorstellen mag. Musik wie Milch und Honig. All das verkörpert "Natural", das fünfte Album des Brasilianers Celso Fonseca. Hier findet eine zarte Verführung der Sinne statt, die wie ein heilsamer Traum aus Tönen gestaltet wurde, wodurch eine harmonische Verbindung mit dem Universum entsteht.  Bossa Nova, Samba und Cocktail-Jazz dienen als Schmiermittel für diesen akustischen Seelenbalsam, der Herz und Hirn betört. Der 1956 in Rio de Janeiro geborene Musiker vereinigt die Talente  Komponist, Produzent, Gitarrist und Sänger in einer Person. Er beschloss mit 19 Jahren Profi-Musiker zu werden,  1986 erschien landesweit sein erstes Album "Minha Cara" (= Mein Herz).  Celso Fonseca bezieht sich stilistisch von jeher auf die Großmeister des Bossa Nova. Baden Powell war sein Vorbild, Antônio Carlos Jobim ...

Kitty Liv - Easy Tiger (2024)

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Kitty von Kitty, Daisy & Lewis ist erwachsen geworden.   Es gibt drei Geschwister, die vom analogen Retro-Sound der 1950er- und 1960er-Jahre  besessen  sind und schon als Teenager von 2008 bis 2017 gemeinsam erfolgreich Alben aufnahmen. Zunächst begnügten sich Kitty, Daisy & Lewis Durham mit originellen Cover-Versionen aus dem Rockabilly-, Rhythm & Blues- und Pop-Universum, später schufen sie auch eigene Kreationen mit Retro-Charisma, die tanzbar, aber nicht zu glatt produziert wurden. Nun sind die Teenager von einst erwachsen geworden und genauso hört sich "Easy Tiger", das Solo-Debüt von Kitty Liv, an. Der Ausspruch "Easy Tiger" ist gebräuchlich dafür, wenn wir möchten, dass sich jemand beruhigt, nicht überreagiert oder etwas nicht überstürzen soll. In diesem Sinne sind die von Kitty interpretierten Stücke als gepflegtes Entertainment, ohne Aggressionen oder musikalische Experimente, anzusehen. Die erfahrene Musikerin bedient ein weites Spektrum an per...

Kurz und bündig: Joe Jackson - Night And Day (1982)

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"Night And Day" ist ein weiteres originelles Puzzle-Teil im wandelbaren Gesamtkunstwerk, das Joe Jackson heißt. Joe Jackson ist immer für eine Überraschung gut! Er begann seine Plattenkarriere 1978, in einer Zeit, in der alle jungen Musiker, die auch nur ansatzweise einen rüpelhaften Anstrich besaßen, unter dem Banner "New Wave" vermarktet wurden. Aber schon 1981 wechselte er mit "Jumpin` Jive" deutlich das Lager. Das Werk  enthielt nämlich authentischen Swing und Jump-Blues der 1930-er und 1940-er Jahre in der Tradition von  Cab Calloway .  Mit seinem fünften Album "Night And Day", das nach Jacksons Umzug von England nach New York im Jahr 1982 entstand, hat Joe erneut ziemlich radikal den Kurs gewechselt und damit zu einer Ausdrucksform gefunden, die ihm perfekt auf den Leib geschneidert zu sein scheint.  Mit dem Titel, einem Tribut an einen Cole Porter-Song , zeigt er sich nämlich als grandioser Entertainer mit einem feinen Gespür für prickelnd...

Color Green - Fool`s Parade (2024)

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Wenn die Narren die Welt beherrschen, dann müssen die Künstler das Ruder in die Hand nehmen: Color Green erschaffen mit "Fool`s Parade" herausragende Qualität unter dem Gütesiegel "Americana". Das Quartett Color Green aus Los Angeles in Kalifornien hat ein Luxusproblem: Die Band verfügt über vier gleichwertige Stimmen, die sich den Lead- und Background-Gesang hinsichtlich der gewünschten emotionalen Ausrichtung bestmöglich aufteilen. Für Abwechslung ist also schon alleine deshalb gesorgt.  Für "Fool`s Parade", dem zweiten Album nach "Color Green" aus 2022, haben sich  Corey Madden (Gitarre, Gesang), Noah Kohll (Gitarre, Gesang), Kyla Perlmutter (Bass, Gesang) und Corey Rose (Schlagzeug, Gesang) zur Verfeinerung ihres Sounds folgende Gäste eingeladen:  Jonny Kosmo (Klavier), Jon „Catfish“ Delorme (von The Nude Party) (Pedal Steel), Sarah Safaie (Saxofon), Tomas Dolas (von Osees) (Keyboards) und Bill Evans (Banjo), weshalb ihnen bei der Verwirklich...

Fink - Beauty In Your Wake (2024)

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Meditation und Hypnose: Die Musiker von Fink ziehen alle Register,  um ihrem Publikum einen intensiven Hörgenuss zu verschaffen. Das Trio Fink um den unkonventionell und interdisziplinär handelnden Fin Greenall macht es einem mit "Beauty In Your Wake" nicht leicht, weil sich die wahre Schönheit, die hinter den Noten steckt, nur nach und nach unter den richtigen Hör-Bedingungen erschließt. Nebenbei und unkonzentriert lauschen hilft nicht weiter, man muss schon die Muße haben, in die Sounds eintauchen zu können und zu wollen, sonst wird das nix mit einer innigen Beziehung zwischen Ton-Empfänger und Klang-Produzent.  Als Freunde von minimalistisch-suggestiven Strukturen wissen Fin Greenall (Kompositionen, Gesang, Saiteninstrumente, Keyboards), Guy Whittaker (Bass) (= der Sohn des Schlager-Sängers Roger Whittaker) und Tim Thornton (Percussion, Gitarren), dass je nach Ausgestaltung der Songs - von karg bis üppig - unterschiedlich starke emotionale Bindungen zwischen Hörerschaft un...

Tigran Tatevosyan - Mer Tan Itev (2024)

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Vermächtnis und Originalität: Tigran Tatevosyan beherrscht die Traditionen und sucht eigene Wege. Tigran Tatevosyan ist ein Wunderkind an den Tasten. Der Armenier begann schon mit sechs Jahren eine acht Jahre dauernde Klavierausbildung, die ihm die klassische Musik näherbrachte. Sein Sinn stand ihm aber auch nach Improvisationen, weshalb er nach seinem Bachelor-Abschluss beschloss, sich dem Jazz zuzuwenden. 2017 schrieb er sich am Rachmaninow-Konservatorium in Rostow, Russland, ein, um einen Master-Abschluss in Jazz-Klavier anzustreben. Zu den musikalischen Vorbildern wuchsen in dieser Zeit Oscar Peterson , Herbie Hancock , Chick Corea , Lyle Mays und Keith Jarrett heran, er blieb aber auch Debussy und Rachmaninoff verbunden. 2020 zog Tigran nach Hamburg, wo er am Dr. Langner-Jazz-Master-Programm teilnahm. Der Mann mit den flinken Fingern lässt die Töne lebhaft sprudeln oder zieht sich mit tragischen Schwingungen in dunkle Räume zurück. Tatkräftige und sensible Unterstützung gi...

Kurz und bündig: The Birthday Party - Prayers On Fire (1981)

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Brutalität und Poesie, Hölle und Erlösung: Der Sound von The Birthday Party ist schmerzend intensiv. Die australischen The Birthday Party sind 1980 aus The Boys Next Door hervorgegangen und bestanden weiterhin aus Nick Cave (Gesang), Phill Calvert (Schlagzeug), Mick Harvey (Gitarre, Orgel), Rowland S. Howard (Gitarre) und Tracy Pew (Bass). In ihrer Musik verbinden sich zwei Kulturen: Die geheimnisvolle, nach Voodoo-ähnlichen Gesichtspunkten ausgelegte Lebensweise der Urbevölkerung und die hektische, aggressive Welt der Millionenstädte scheinen hier aufeinanderzuprallen. Auf dem Debütalbum der Band werden raue, wilde Instrumental-Parts von der ausschweifenden, Gift und Galle kotzenden Vokalartistik von Nick Cave durchzogen ("Zoo Music Girl", "Cry") und es taucht Rock-Avantgarde in der Tradition von Captain Beefheart auf ("Ho Ho").  Mit "Capers" gibt es ein Stück, das sich an den knurrig-schroffen Kompositionen von Tom Waits orientiert und abarbe...

Kurz und bündig: XTC - English Settlement (1982)

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XTC: Nie waren sie wertvoller als heute. Ein Griff in die Schatzkammer brillanter Pop-Musik: Mit "English Settlement" bescheren uns die britischen Oberintellektuellen um Andy Partridge und Colin Moulding ein Ausnahmewerk an Präzision und Einfallsreichtum. Ein Füllhorn erlesener Melodien ergießt sich über die Hörerinnen und Hörer. XTC beherrschen ihr Metier, bei dem sie Pop und Kunst in eine schwindelig werden lassende Kompositionsvielfalt einbeziehen, perfekt: Die Songs wurden originell und effektvoll arrangiert. Tempowechsel werden dabei dezent vorgenommen, sodass nie der ästhetisch kribbelnde Art-Pop-Rahmen gesprengt wird. Das Spektrum der Ausdrucksweise reicht von folkloristisch-leichtfüßigen Liedern ("Yacht Dance") bis zu beschwingt-tanzbarem Material ("Senses Working Overtime"),  Ohrwürmer mit Anspruch sind es alle. Es folgt Hit auf Hit. Gewohnt intelligent sind auch die Texte. So zum Beispiel bei "Melt The Guns" mit der prägnanten Textzeile...

Kurz und bündig: Heinz Rudolf Kunze - Eine Form von Gewalt (1982)

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Das Brot der frühen Jahre. " Romanze " von Kunzes erstem Longplayer "Reine Nervensache" (1981) ist die wohl ausdrucksstärkste Beschreibung innerlicher Vereinsamung, die ein deutschsprachiger Musiker je zu Papier gebracht hat. Neben Persönlichkeitsproblemen verarbeitet Heinz Rudolf Kunze auf seinem zweiten Album  "Eine Form von Gewalt" auch  Themen voller politischer Brisanz.  Drei solche Titel seien besonders hervorgehoben: "Die kommen immer wieder" ist eine gelungene Entmystifizierung von Beherrschern, wie sie schon von DAF (= Deutsch Amerikanische Freundschaft) mit ihrem " Der Mussolini " erreicht wurde. Die Obrigkeiten des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten bekommen in "Der Präsident" ihr Fett bei einer sarkastischen Betrachtung über die Folgen der Atombombenabwürfe über Japan im 2. Weltkrieg weg: "Ich bin der Präsident/vom freiesten Land der Welt/zum Geburtstag lad ich/alle ein/der erste Tanz gehört/der Japanerin/d...

Verborgene Plattenschätze: The Earlies - The Enemy Chorus (2007)

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Pop als Kunstform ohne Schere im Kopf: The Earlies entwerfen und feiern Songs, die nach Harmonie und Experiment duften.  Die Formation The Earlies arbeitet außergewöhnlich: Gegründet wurde sie 1996 von Brandon Carr und John-Marc Lapham aus Texas sowie Christian Madden und Giles Hadden aus Nord-England aus einer Bierlaune heraus. Die Musiker koordinierten ihre Tätigkeiten über das Internet. Ihre Fähigkeiten wurden dabei durch eine tolerante Grundhaltung zueinander und zu den jeweils vorgeschlagenen Entwürfen zum Wohle gemeinschaftlicher Veröffentlichungen, die alle Erwartungen unter einen Hut bringen sollten, miteinander verschmolzen. Für die ersten EP-Aufnahmen, die später zur Debüt-LP "These Were The Earlies" von 2005 führten, sang Brandon Carr die Lieder zu Hause in Dallas ein und die Instrumentalisten werkelten in einem Studio in Manchester an einem kunstvollen, orchestral aufgeschichteten Sound.  Um das zweite Album "The Enemy Chorus" fertigzustellen, reiste Car...