Michael Lane - The Middle (2016)

Soldat, „The Voice Of Germany“-Teilnehmer, Singer/Songwriter: Das sind Meilensteine im Leben von Michael Lane.
Wie es der Titel des zweiten Albums des deutsch-amerikanischen Songwriters Michael Lane schon andeutet, scheint er seine Lebensmitte gefunden zu haben. Nach der frühen Kindheit in Deutschland folgte für ihn mit sechs Jahren zunächst einmal ein Umzug in die USA. Im Alter von 20 Jahren wurde er Soldat und im Irak-Krieg sowie in Afghanistan eingesetzt. Nach dieser Erfahrung ließ der sensible Mensch die Schrecken des Krieges hinter sich.
2012 ging es dann zurück nach Deutschland. Dort nahm der Hobby-Musiker an der zweiten Staffel der Casting-Show „The Voice Of Germany“ teil und wurde unter Coach Xavier Naidoo Dritter. 2014 gründete er eine Familie und bekam 2015 Nachwuchs. Seitdem werden die Eckpfeiler Natur, Liebe und Freiheit ins Zentrum seines Handelns gestellt.
Die Anregungen für die Musik bezieht der Ex-Soldat nun hauptsächlich aus dem Familienleben und der Umgebung seiner neuen bayerischen Heimat. Er ist also offensichtlich kein traumatisierter, gebrochener Mensch mehr, der den Horror, den er erlebt haben muss, in Liedern verarbeitet. Das neue Leben wird mit nachdenklichen, erwachsenen Songs gefeiert, die schon allein wegen der klaren, eigenständigen Stimme auch Optimismus ausstrahlen. Die Kompositionen wurden handgemacht und mit Bandunterstützung umgesetzt. Sie weisen Folk-, Pop- und Indie-Rock-Bestandteile auf.
Lane ist kein Innovator, aber ein bodenständiger Geschichtenerzähler. Er will nicht intellektuell glänzen, sondern ist ein Kumpeltyp, dem gerne zugehört wird. Die Musik kommt sympathisch rüber und transportiert ehrlich empfundene Gefühle. Dass das Ergebnis manchmal etwas bieder wirkt, liegt in der Natur der Sache.
The Middle von Michael Lane bei Amazon Music - Amazon.de
Die instrumentale Ouvertüre „Erica“ führt zunächst auf die falsche Fährte. Das Akkordeon ahmt Synthesizer-Brummen und -Rauschen nach, der Bass schlägt jazzige Noten an und die akustische Gitarre hält gleichbleibende Akkorde bereit. Bei „Let`s Forget About It“ wird Michaels Stimme anfangs nur von der akustischen Gitarre begleitet. Schlagzeug und Bass geben dieser Folk-Ballade dann mehr Nachdruck. Obwohl es sich um einen Beziehungs-Song handelt, lassen die Textzeilen „Denk nicht an die Vergangenheit, denn das könnte dich verrückt machen“, auch auf eine Rückschau schließen. Mehr Pop als Folk gibt es bei „Runnin Away“, das durch hellere Strukturen und aufmunternde Refrains auffällt.
So auch „Life And It`s Lessons“ und „Wake Up Next To You“, das über einen anbiedernden Mitklatsch-Rhythmus verfügt.
„Ladybug“ ist ein romantisches, weichgezeichnetes Lied, das auch aus dem Repertoire von Al Stewart stammen könnte. Grummelnde Bässe und gefühlvolle Cello-Einlagen verbreiten ein kammermusikalisches Flair. „Wherever I Go“ ist ein ruhiges Lied, das durch die ausdrucksstarke Stimme immer wieder aus der Melancholie gerissen wird. „Why I Love You“ ist sehr langsam und verströmt viel Wärme. Dadurch entsteht eine Stimmung wie bei liturgischen Gesängen. Gemütliche Lagerfeuer-Romantik wird anfangs von „Bitter Heart“ verbreitet. Der bedächtige Folk-Song hinterlässt einen unscheinbaren Eindruck, da er zurückhaltend dargeboten wird.
„In The Middle“ gefällt als gut abgehangener US-West-Coast-Folk-Rock, der filigran-raffiniert, fast wie eine Komposition von David Crosby aufgebaut ist. Bei diesem Album-Highlight fügt sich Michael organisch in die Instrumentenbegleitung ein. Ein ausgewogener, sehr intimer Song ist mit „My Old Man“ gelungen. Er hat eine fließende, milde Melodie, bei der die Wörter genussvoll gedehnt werden. Ganzheitliche Harmonie umweht das luftig-ausgeruhte „My Home“. Das ist eine Komposition wie eine leckere Süßigkeit. Wenig davon ist ein Genuss, zu viel verdirbt den Appetit.
Die Lieder von Michael Lane sind aufrichtig, gut gemeint, echt, harmonisch und angenehm. Sie können aber unter Umständen teilweise als altbacken und behäbig wahrgenommen werden. Michael ist noch dabei, seinen persönlichen Stil zu formen. „In The Middle“, „My Home“, „My Old Man“ und „Runnin Away“ geben dabei eine Richtung vor, die sehr vielversprechend ist.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Lesestoff: Thomas Waldherr - In The Summertime. Bob Dylan 1981: Umbrüche, Ausflüge und Anfänge. Ein politisch-popkulturelles Essay + Termine für Lesungen!

Ensign Broderick - Come Down + Mirror Ring (2025)

Lost & Found: Songs To The Siren „2019“: Das Erbe von Tim Buckley und The Velvet Underground wird am Niederrhein betreut.