Walter Salas-Humara - Work, Part One (2016)
Walter Salas-Humara überarbeitet sein Jugendwerk und hat sich zehn Songs der ersten drei Silos-Alben vorgenommen, um sie mit dem heutigen Erfahrungsschatz neu zu interpretieren.
Die Silos aus New York waren ab Mitte der 80er-Jahre eine einflussreiche alternative Rock-Band mit dem Coolness-Faktor von Velvet Underground und Roots-Bezug zu Folk und Country. Ihre ersten drei Veröffentlichungen „About Her Steps“ (1985), „Cuba“ (1987) und „The Silos“ (1980) gelten unter Kritikern und Fans als Meilensteine. Nun hat der Chef der Truppe beschlossen, ausgewählte Titel dieser Frühwerke neu einzuspielen. Diese Idee erzeugt bei den Fans Spannung. Denn wenn es gut geht, gibt es überraschende Erkenntnisse und wenn nicht, könnten die Klassiker entzaubert werden.
Walter Salas-Humara hat bei der Neubearbeitung auf üppige Arrangements verzichtet und lässt die Songs rein akustisch begleiten. Als Unterstützung wirken Rich Brotherton auf allem was Saiten hat, sowie Geigerin Mary Rowell - die schon auf vielen Silos-Platten dabei war - und Amy Allison als Hintergrundsängerin mit. Die Musiker versuchen, die Essenz der Songs heraus zu kitzeln, packen Persönlichkeit und Erfahrung dazu und testen die Kompositionen auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen Korrosion.

Isoliert betrachtet ergibt „Work: Part One“ für den Liebhaber akustischer Roots-Music Sinn, verglichen mit den Originalen bieten jedoch nicht alle Neufassungen einen zwingenden Mehrwert. „Going Round“ offenbart seine mehrschichtige Struktur, die aber eine vielfältigere Instrumentierung verdient hätte, und „Shine It Down“ hat in der Akustik-Version seine Schärfe verloren. „Susan“ ist im Original jugendlich unbekümmert und charmant unterproduziert, wobei Ecken und Kanten belassen wurden. Der Track funktioniert so aufgrund seiner bestechenden Melodie und seiner unverbrauchten Punk-Folk-Ausrichtung. Das Remake ist noch sparsamer instrumentiert. Eine akustische Gitarre, die Melodie und Rhythmus gleichzeitig abdeckt, und eine verzierende Dobro bilden die Basis. Walters Gesang wird zusätzlich durch Rich Brotherton ergänzt, dennoch entsteht der Eindruck einer Demo-Version, denn dem Lied wird keine neue, interessante Sichtweise hinzugefügt.
„Commodore Peter“ braucht den Vergleich mit der Vorlage allerdings nicht zu scheuen. Bei der Neubearbeitung ist nämlich ein straffer Country-Folk-Song mit engagiertem Gesang und intimer, aber prägnanter Instrumentierung herausgekommen. Und die grandiose Melodie ist sowieso unkaputtbar. Eine schöne, sensible Nummer mit geschmackvoll-zurückhaltenden Mandoline/Geige-Arrangements ist auch mit der Neu-Interpretation von „Margaret“ gelungen. Für „Mary`s Getting Married“ wird der erzählende Geigenpart, der Hillbilly- und Romantik-Gefühle beiträgt, in den Mittelpunkt gestellt. „I`m Over You“ hat Passagen, bei denen sich die beiden einzig begleitenden Akustik-Gitarren mit Picking und Rhythmus-Akkorden virtuose Bälle zuspielen und „For Always“ ist sanft, harmonisch und langsam mit Raum zwischen den Noten. „Caroline“ hat wiederum zackige Gitarren als Begleitung und ist deshalb relativ straff angelegt. „Tennessee Fire“ bietet akustischen Jam-Folk mit ausufernden Solo-Einlagen von Geige/Gitarre-Duellen und spannungsfördernden Tempowechseln.
Der interessierte Hörer sollte sich primär um die Silos-Originale kümmern, denn die haben nichts von ihrer Faszination verloren. „Work: Part One“ ist eine nette Ergänzung dazu und musikalisch eine mehr als solide Angelegenheit. Die Musik drängt sich jedoch im Vergleich zu den Vorlagen nicht wirklich als erweiterter Blickwinkel auf. Obwohl die Aufnahmen aktuell sind, wirken sie häufig wie Vorstudien zu den Originalen.
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