Jaye Bartell - Light Enough (2016)

In der Ruhe liegt die Kraft: Jaye Bartell huldigt dem intimen Folk-Song, den er behutsam in abseitige Fahrwasser führt.
Jaye Bartell aus Massachusetts kam über das Wort zur Musik. Ursprünglich beschäftigte er sich mit der Dichtkunst und ist jetzt als introvertierter Folk-Musiker unterwegs. Das ist eine Biographie, die der von Leonard Cohen gleicht, mit dem ihn viel verbindet. Nicht nur „G And Me“ hört sich aufgrund der raumgreifenden dunkel-herben Stimme und der melancholisch-intimen Stimmung nach einer Reinkarnation des großen Kanadiers an. „Tuesdays“ geht in die gleiche Richtung, was die Inspiration angeht. Der Track ist instrumentell munter angelegt, jedoch gleichzeitig gesanglich zurückhaltend umgesetzt worden. Bei der Begleitung tut sich besonders die Kombination von akustischer Lead-Gitarre und schmückender E-Gitarre hervor.
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Aber es gibt noch weitere Anhaltspunkte: Die ruhigen Velvet Underground fallen bei „The Worm“ als Vergleich ein. Wohl, weil als Hintergrundfärbung stellenweise ein milder Feedback-Sound ertönt und die Begleitung karg und leicht brüchig rüberkommt. Kennt noch jemand die australischen Go-Betweens um Robert Forster und Grant McLennan? Diese Band brachte in den 80er-Jahren eine delikate, spröde, melodische, abgeklärte Folk-Note in die nervös-aufgepeitschte New Wave-Bewegung ein. „Wake On The Way Down“ hat eine ähnliche Ausstrahlung, denn die Musik kreist um eine betörend schöne Melodie, die intellektuell aufgebrochen, verdreht, abgelenkt und verschleiert wird. Der Song wird ganz und gar der Laune des Sängers unterworfen und versprüht den unfertigen Charme einer Demo-Aufnahme.
Die Gestaltung der Songs ist wenigen Änderungen unterworfen. Deshalb können Kompositionen wie „When I Arise“ beim flüchtigen Hören einen gleichförmigen Eindruck hinterlassen. Die Unterscheidung liegt auch in der Detaillierung der Arrangements, so wie hier in der Einbeziehung eines weiblichen Harmoniegesanges. Auch die simple Akustik-Gitarren-Begleitung lässt „The Ceiling“ beim ersten Eindruck traditionell und altbacken erscheinen. Schwellende und wabernde elektronische Töne bringen dann im Mittelteil jedoch Extravaganz ins Spiel. Bei „Ferrier“ wird die Melodie nicht klar herausgestellt, der Gesang agiert merkwürdig, fast abgehackt und aufzählend wie bei einem Kinderlied. Das wirkt wie zufällig ausgedacht und nicht auskomponiert. So wie bei „The Burden“ und „Into The Quiet“ nimmt Jayes Stimme oft den Raum vollständig ein und erzeugt Sympathie, ohne sich anzubiedern. Das liegt an der Natürlichkeit seines Gesangs. Dieser vermittelt eine unschuldige Ehrlichkeit, bei der Argwohn oder Aggression vollkommen ausgeklammert werden.
„Laundry Line“ geht in eine traurig-ruhige Atmosphäre über. Die gepickte Akustik-Gitarre, eine E-Gitarre, die an ein Glockenspiel denken lässt, und ausfüllende Orgeltöne bestimmen das Klangbild genauso wie die filigrane, beruhigende Melodie, die von süßen Refrains flankiert wird. Das Titelstück „Light Enough“ ist ein introvertierter Folk, der seine Attraktivität durch eine E-Gitarre erhält, die hell wie eine Mandoline klingt, aber gefühlvoll, langsam und ablenkend eingesetzt wird.

„Me And G“ dreht zum Abschluss den Titel des Openers um und schließt das Album pur mit Stimme und unverstärkter Gitarre ab. Die Folksong-Tradition wird hier als intensive Erzählung in Reinform präsentiert. Der Song könnte auch aus dem Film „Inside Llewyn Davis“ stammen, der die New Yorker Greenwich Village Folk-Szene porträtiert.
Jaye Bartell ist ein merkwürdiger Kauz. Einerseits ist er der puren Folk-Tradition verpflichtet, andererseits bricht er genau diese überlieferten Strukturen auf. Er geht dabei nicht radikal, sondern vorsichtig, hintergründig und subversiv zu Werke. Das Durchhören des Albums in einem Rutsch erfordert Konzentration und Geduld. Es will erobert werden: Die Schönheiten wollen entdeckt und enttarnt werden, denn sie geben sich nicht immer sofort zu erkennen.

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