Paul Young - Good Thing (2016)

Der Hitlieferant und Blue-Eyed-Soul-Boy der 80er-Jahre interpretiert auf „Good Thing“ überwiegend Soul-Klassiker aus dem Süden der USA.
Wer Paul Young noch aus den 80er-Jahren von seinen Hits wie „Come Back And Stay“ im Ohr hat, der erwartet wahrscheinlich, bei einem neuen Album von seiner kräftigen, leicht angerauten Soul-Stimme in Empfang genommen zu werden. Aber natürlich ist der mittlerweile 60-jährige Soul-Pop-Künstler auch ausdrucksmäßig in die Jahre gekommen. Seine Stimmbänder sind nicht mehr so geschmeidig und flexibel wie in jungen Jahren. Der Gesang ist jetzt deutlich zurückgenommen, also nicht mehr so angriffslustig und präsent wie früher. Bei temperamentvolleren Passagen macht sich ein deutliches Gurgeln bemerkbar, wo sonst ein sinnliches Schnarren war. Die Brüchigkeit und den Verbrauch an Dynamik kompensiert Young jedoch teilweise durch reife, berührende Gelassenheit und das Zurschaustellen einer charaktervollen, seriösen Patina im Gesang.
Good Thing - Young, Paul: Amazon.de: Musik
Paul Young hat mit „Good Thing“ ein Cover-Versionen-Album gemacht, das an den Geist alter Memphis-Soul Aufnahmen angelehnt ist. Der Sänger bedient sich dazu vorzugsweise bei Aufnahmen des Stax Records-Katalogs, wobei sowohl harmonisch-warme, Gospel-geprägte wie auch hitzig-aufgedrehte Funk-inspirierte Nummern ausgewählt wurden: Der Pop-Gospel „Touch A Hand, Make A Friend“ von den Staple Singers und der Schmuse-Soul „I Believe In You (You Believe In Me)“ von Johnnie Taylor klingen ähnlich weich und eingängig wie die Vorlagen. Den coolen Groove, den „Eloise (Hang On In There)“ von William Bell vermittelt, kann auch die als Show-Nummer angelegte Neufassung transportieren. Hier legt sich Paul gesanglich im Rahmen seiner Möglichkeiten gut ins Zeug. Der knackige, stramme Rhythm & Blues des „Big Bird“ von Eddie Floyd („Knock On Wood“) kann auch auf „Good Thing“ am Leben erhalten werden. Der Late-Night-Blues „Your Good Thing (Is About To End)“, geschrieben von Isaac Hayes und David Porter, war 1969 ein Hit für Lou Rawls und wird von Paul in verschiedenen Stimmlagen zum Besten gegeben.
Als Sparringspartner hat sich Mr. Young Arthur Baker für die Rolle des beratenden Produzenten ausgesucht. Baker ist nämlich nicht nur durch seine Salsa-Produktionen, die HipHop-Arbeiten mit Afrika Bambaataa und die Betreuung des Electro-Pop von New Order und den Pet Shop Boys bekannt geworden, sondern hat auch mit Al Green und auch schon mit Paul Young für „What Becomes Of The Brokenhearted“ zusammengearbeitet. Aufgrund seiner breiten Erfahrung schien er der richtige Koordinator für dieses Projekt zu sein. Gleich mit dem Opener, „L-O-V-E (Love)“ von Al Green, schließt sich dann auch der Kreis der gemeinsamen Vorlieben. Für Paul ist das eine undankbare Aufgabe, denn wer den einzigartigen Mr. Green und dessen leidenschaftliche Vortragsweise kennt, hat hohe Erwartungen an eine angemessene Bewältigung dieser hohen Messlatte. Paul singt ohne sein jugendliches Feuer, aber mit Herzblut. Hier überschätzt er jedoch seine Möglichkeiten und bleibt weit hinter dem emotional aus allen Nähten platzenden Original zurück.
Das zweite Standbein des Albums sind Variationen von Songs, die bei Hi-Records rauskamen. Neben dem Al Green-Titel wird noch der lässige Funk „Back For A Taste Of Your Love“ von Syl Johnson neu aufbereitet. Dieser Song bekommt bei der Neuauflage einen gemäßigten Southern-Rock-Anstrich und auch das groovige „Slipped, Tripped And Fell In Love“ von Ann Peebles erfährt eine angemessene, schwungvolle Übersetzung. „Ain't That A Lot Of Love“ wurde von Homer Banks geschrieben. Das Basis-Riff ist Bestandteil und Anziehungspunkt von „Gimme Some Lovin`“ der Spencer Davis Group. Dieser stampfende Rhythmus verhilft auch bei der neuen Version dazu, dass die Füße ins Wippen kommen. „Words“ von den Bee Gees war schon im Original als Schnulze konzipiert und dieser Eindruck wird hier sogar noch verstärkt.
Paul Young hat eine Band im Rücken, die ihm durch ihre forsche Begleitung eine Oberfläche bereitet, um sich angemessen als Entertainer zu präsentieren. Diese Gelegenheit nutzt der Blue-Eyed-Soul-Sänger manchmal nur zögerlich. Er spielt seinen Charme nicht immer offensiv aus, sondern verlässt sich zu sehr auf die Qualität der Kompositionen und deren Sogwirkung. Das alleine reicht jedoch nicht, um die Interpretationen aus ihrem soliden Fundament empor zu hieven und als schillernd dastehen zu lassen.

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