Twin Peaks - Down In Heaven (2016)

Ausprobieren und Entdecken: Die Twin Peaks erweitern versiert ihr Sound-Spektrum.
Fünf Freunde aus Chicago finden sich zum Musizieren zusammen und lassen es ordentlich krachen. Das hat bei den Twin Peaks 2010 begonnen und nun zu einem dritten Album geführt. Die Jungs sind inzwischen persönlich gereift und wollen dieser Entwicklung auch musikalisch mehr Raum geben. Deshalb probieren sie auf „Down In Heaven“ unterschiedliche Soundverbindungen aus: Der Gesang kommt aus der Garage, Trompeten und Keyboards tragen barocke Züge, die Percussion-Beigaben bringen lockeres Karibik-Flair ein und die Gitarren verbreiten Folk- und Psychedelic-Noten. Für „Lolisa“ wird das alles zu einem beweglich-kunstvollen Pop-Song verwirbelt. Und „Walk To The One You Love“ ist ein T. Rex-artiger Glam-Rock, der in ein Roots-Rock-Medley eingebettet wurde. Diese Verbindung lässt auf originelle Weise zusammenwachsen, was nicht unbedingt zusammen gehört.
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Die Ballade „Wanted You“ hat „Love Is All Around You“ von The Troggs im Hinterkopf und mit „Keep It Together“ gibt es einen cool groovenden Rocker mit Rhythm & Blues-Kern zu hören. Das klingt wie eine Verschmelzung der Rolling Stones mit Lou Reed und The Band. Lässig gleitet der Soft Rock/Bar Jazz-Verschnitt „Getting Better“ dahin und fängt auf seinem Weg auch noch alle Westcoast-Pop-Fans ein. Die Stimmbänder verteilen dazu nüchterne Noten in mittleren Tönen.
„Holding Roses“ verarbeitet den Pop-Rock von Tom Petty und das R&B-Feeling der J. Geils Band.

Bei „Have You Ever“ wird demonstriert, dass der Glam-Rock von Mott The Hoople und der Roots-Rock von Wilco eine gemeinsame Basis aufweisen und eine enge Verbindung miteinander haben. „You Don`t“ ist eine eingängige, aber raffiniert angelegte Soft-Rock-Nummer und bei der Ballade „Stain“ spielen gepickte Mandolinen genauso eine Rolle wie melodisch fließende E-Gitarren und harmonierende Orgeltöne.
Unterstützt wird die Flexibilität noch durch das Einbringen von zwei verschiedenen Stimmlagen. Die herb-kratzig-offensiven Frequenzen finden unter anderem bei der Ballade „Cold Lips“ Anwendung. Dieser auffallend dominante, plärrende, großmäulige, dreckige, seelenvolle Gesang erinnert einmal mehr an Dan Stuart, den unverkennbaren Lead-Sänger der stilprägenden Roots-Rock-Combo Green On Red. Das ruhige, akustische „Heavenly Showers“ bietet ein Beispiel für eine Sanges-Doppelspitze, wo auch der ausgewogen-ausgleichende Stimmtyp zum Zuge kommt.
Zweimal führen die Bemühungen der Amerikaner allerdings nicht zu einem befriedigenden Ergebnis: Der Gesang in „Butterfly“ klingt übertrieben bemüht und angestrengt. Das lässt diesen Sunshine-Pop merkwürdig verdreht erscheinen. „My Boys“ verbreitet zwar Ausgelassenheit und Lebensfreude, ist musikalisch aber zu einfach und einfallslos gestrickt und kippt stellenweise sogar ins Alberne.
Das Quintett beweist Wandlungsfähigkeit und Kompetenz im Umgang mit musikalischen Fundstücken. Damit liegen sie über dem Durchschnitt der Ausdrucksmöglichkeiten vieler stilistisch festgelegter und eingeengter Bands. Diese offene Vorgehensweise garantiert einen weiten Gestaltungsfreiraum. Das ist ein kluges und zukunftssicheres Konzept. Twin Peaks sind also definitiv eine aufstrebende Band.

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