Treetop Flyers - Palomino (2016)
Das Folk-Rock-Quintett Treetop Flyers sucht nach einer Zeit der persönlichen Rückschläge nach Neuorientierung und findet sie teilweise im Soft-Rock der 70er-Jahre.
Nanu, ist das Musik von Firefall aus Kalifornien, die den Übergang vom sinnlichen Westcoast-Folk-Rock zum entspannten Soft-Rock mit begleitet haben? Nein, das sind die 2009 in London gegründeten Treetop Flyers. Sie treten mit „You, Darling You“ und „Falling Back“ genau in die Fußstapfen dieses mit mildem Soul-Einschlag versehenen sonnigen kalifornischen Pop.

Und auch „Sleepless Nights“, das noch flotter aufbereitet wurde und näher am Psychedelic Rock dran ist, setzt diesen Eindruck fort. Das geht runter wie ein Smoothie aus milden Früchten, der leicht und erfrischend im Abgang ist. Noch weiter in Psychedelic-Rock-Gefilde begibt sich „Dance Through The Night“.
Dem Improvisations-Aspekt wird dabei durch einen Orgel-/Schlagzeug-/ Bass-/Gitarre-Schlagabtausch Rechnung getragen.
Von Rhythm & Blues beeinflussten Pop gibt es bei „It`s A Shame“ zu hören. Die Männer-Background-Stimmen sollen Gospel-Feeling erzeugen. Sie sind aber dazu nicht soulig genug, so dass sich diese Aktion wie eine Parodie anhört. Folk in der Tradition von Crosby Stills & Nash inklusive stimmiger Harmoniegesänge bietet dann „St Andrew`s Cross“.
„31 Years“ marschiert flott voran und würde auch ins Repertoire von Bruce Springsteen oder John Mellencamp passen, deckt also den Bereich des Rockers mit Pop-Ambitionen ab. Nicht ganz reinrassige schnelle Beat- oder Motown-Soul Rhythmen leiten „Wild Winds“ ein. Bei diesem Track wird das Tempo immer wieder in Intervallen geändert. „Lady Luck“ ist eine ruhige, bedächtige Nummer, die sich, wie sonst eigentlich im Progressive-Rock üblich, unter Hinzunahme von Mellotron-Schwaden allmählich aufbaut. Das Stück wird trotz eingeschobenem Gitarren-Solo nie richtig zum Kochen gebracht und bewegt sich nahezu unauffällig. „Fairytales & Lullabies“ ist ein recht unspektakuläres, beinahe schmalziges Lied und mit „Never Been As Hard“ ist eine Rock-Ballade misslungen, weil sie Richtungslosigkeit verbreitet.
Für die Bandmitglieder war die Zeit nach ihrem Debüt „The Mountain Moves“ von 2013 von persönlichen Rückschlägen geprägt: Eltern starben, Ehen zerbrachen, einem nahen Freund ging es sehr schlecht und Bassist Matthew Starritt verließ die Gruppe. Diese Umstände führten wahrscheinlich nicht nur privat zu Neuorientierungen.
Vielleicht ist „Palomino“ deshalb eine Platte für Nostalgiker geworden, was ja erst mal nichts Schlechtes ist. Auch nicht, wenn solch ein Gemischtwarenladen dabei raus kommt. Vielleicht ging es bei der Umsetzung um das Festhalten an Werten, da unumstößliche Veränderungen nicht akzeptiert werden konnten. Aber es ist trotzdem zu erwarten, dass dabei eine gewisse Verbindlichkeit hinsichtlich der Qualität der Kompositionen herauskommt und die ist hier wechselhaft. Wobei es eigentlich nur die Balladen sind, die dann doch zu zuckrig geraten sind. Da konnte selbst der Psychedelic-Rock-Experte Jonathan Wilson, der den Mix übernommen hat, nichts mehr retten.
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