James McCartney - The Blackberry Train (2016)

Mr. McCartney junior macht eigenständig auf sich aufmerksam.
James McCartney trägt einen großen Namen. Ja, er ist tatsächlich der Sohn von Paul McCartney und legt aktuell seinen zweiten Longplayer vor. Und noch ein Beatles-Sohn ist mit an Bord des „Blackberry Train“: Dhani Harrison, Sohn von George Harrison, spielt in „Too Hard“ die Gitarre. Die Arbeit von James sollte nicht von vornherein als verlängerter Arm seines Vaters eingestuft werden, denn als Musiker ist er auch ohne Unterstützung der Legende glaubwürdig und auf seine eigene Art kreativ.
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Natürlich hat McCartney junior den Power Pop quasi mit der Muttermilch aufgesogen und setzt diese Erfahrung als aufmunternde Zutat gerne ein. Das ist aber nur ein Standbein seiner Musik. Der Alternative- und Grunge-Rock der 90er-Jahre hat es dem 38-jährigen Musiker auch angetan, was zu der Wahl des Produzenten Steve Albini (PixiesNirvanaPJ Harvey) führte. Dessen Einfluss prägt besonders „Paralysis“. Härte und Punk-Wut mischen sich hier unter den gut situierten Power-Pop.

Auch „Unicorn“ tobt sich an der Schnittstelle zwischen Punk-, Hard- und Indie-Rock aus. Ungestüm und schnell stürmt der Titel voran, die Stimmung ist mit Adrenalin aufgeladen. Der Gesang kommt aus dem Hintergrund, die Gitarren sind übersteuert und das Schlagzeug treibt die Stimmung hektisch an. Auch die kreischenden Grunge-Rock-Gitarren von „Ballerina“ tragen die Handschrift von Albini. Der flehend-rufende Gesang attackiert zusätzlich diese Ballade.
Ab und zu gibt es noch diskrete Abstecher in Richtung Folk und Country. „Too Hard“ ist ein Beatles-Power-Pop, der laut James ein Country-Feeling bekommen sollte. Deshalb schwingt der ausgeglichene Laid-Back-Sound der Eagles bei dieser Nummer mit und „Ring A Ring O` Roses“ ähnelt den akustischen Folk-Songs seines Vaters. Dezente, glitzernd-flirrende Keyboard-Splitter begleiten „Waterfall“, ein Lied zwischen Ballade und Mainstream-Pop, dessen Melodie sich nicht richtig entfalten kann. Die Komposition wurde von Erinnerungen an seine verstorbene Mutter Linda McCartney inspiriert. „Peyote Coyote“ ist ein muskulöser Track, der an die frühen R.E.M erinnert und von James teilweise mit weicher Stimme und femininer Note interpretiert wird.
Ein stimmungsvolles E-Piano verleiht „Fantasy“ und „Prayer“ eine schillernde Gelassenheit. „Alice“ zeigt sich als psychedelischer Pop mit Gesangspartikeln, die aus „I Am A Walrus“ der Beatles adaptiert wurden und „Peace And Stillness“ lässt das Album mit einem unscheinbaren Pop-Stück ausklingen.
James ist ein musikalischer Spätentwickler. Seine erste EP erschien 2010, da war er bereits 33 Jahre alt. Dadurch war aber ausreichend Zeit, sich über Vorlieben klar zu werden und sich im Pop-Geschehen umzuhören. Das führte dazu, dass die Inspirationen relativ unbekümmert aufgenommen, gefiltert und verarbeitet wurden. Es gibt genügend Ansätze, die Gespür und Musikalität beweisen, aber auch Songs, die nicht auf den Punkt gebracht werden („Waterfall“, Paralysis“, „Ballerina“). Dabei geht dann die vorher aufgebaute Spritzigkeit verloren. Aufgrund des vorliegenden Ergebnisses ist jedoch nicht auszuschließen, dass James McCartney nochmal richtig durchstarten wird. Vielleicht wäre ein kreativer Austausch mit dem berühmten Vater dafür hilfreich.

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