Black Lung - See The Enemy (2016)

Heavy Metal-Psych-Prog-Blues-Rock in Trio-Besetzung ohne Bassisten: Black Lung lieben den Lärm, der aber nicht durchgängig konstruktiv eingesetzt wird.
Wäre der 2014er Winter in Baltimore nicht so heftig ausgefallen, gäbe es Black Lung vielleicht gar nicht. Schlagzeuger Elias Mays Schutzman und Gitarrist Adam Bufano, beide Mitglieder von The Flying Eyes, wollten nämlich eigentlich eine Auszeit von ihrer Stammband nehmen. Sie trotzten aber den unwirtlichen Wetterverhältnissen dadurch, dass sie zusammen mit Sänger/Gitarrist Dave Cavalier ins Studio gingen und den Winter-Blues in musikalische Energie umwandelten.
Das Gefüge kommt ohne Bassisten aus. Den dröhnenden, tieftönenden Hintergrund breiten die Gitarristen gleich mit aus. Black Lung legen los, als gäbe es kein Morgen. „Behemoth“ taucht in ein reinigendes Stahlbad ein und weckt die Geister, die einst von Black Sabbath gerufen wurden. Der Track bewegt sich zunächst wie eine zähe Masse vorwärts. Der Gesang schallt dazu entfremdet, als würde er direkt aus der Unterwelt kommen. Nach zweieinhalb Minuten nimmt das Teil Geschwindigkeit auf, ohne aus den Fugen zu geraten. Schlagzeug, Gitarren und Bass verschmelzen dann zu einem mächtigen Instrument.
Black Lung - See The Enemy - CD (in transparentem Cover) - Noisolution
Die Stimmen bleiben durchgehend geisterhaft und verschwommen. „Ichor“ wird durch variierende Gitarren-Salven, die teilweise sogar rückwärts zu laufen scheinen, angeheizt. Irrlichternde Gitarren-Kaskaden eröffnen „Transmissions“. Dämonisch und frei wildernd macht der Track als drogenschwangere Orgie reiche Beute unter Monster Magnet-Fans.
Im Vergleich zu allen anderen Songs auf dem Album läuft „Crooked Finger“ wie geschmiert ab. Die Basis bildet ein gleichförmig pulsierender, sanft wiegender Boogie. Die Metal-Figuren bremsen den Fluss zwar ab, verhindern aber nicht, dass sich die cremige Substanz durchsetzt. „Priestess“ arbeitet mit Zutaten des mystischen Voodoo-Rock, den auch die Black Keys gerne verwenden. Der Song verfügt außerdem über ein silbrig-glitzerndes Gitarren-Solo, das ihn von der dunklen Seite der Macht entfernt. „8MM“ spielt mit Tempo- und Dynamiksprüngen als Stilmittel, was dem Stück einen Progressive-Rock-Anstrich verleiht.
„Nerve“ und „See The Enemy“ sind zögerlich-unentschlossen, uneinheitlich, melodisch unausgewogen und brüchig. Den Titeln fehlen klare Linien, wodurch sie konzeptionell nicht zu Ende gedacht wirken. Hier zeigt sich erneut, dass Black Lung Sound-Wand-Konstrukteure sind, die vornehmlich Wert auf die Erzeugung einer speziellen Stimmung legen. Diese Atmosphäre soll die unheimlich-bösen Bestandteile des Heavy Metal, das drogendurchflutete Gen des Psychedelic-Rock, das verschachtelte Element des Progressive-Rock und die ungestüme Basis des Blues-Rock beinhalten und zusammenführen.
Bei diesem Vorhaben können die alternativen Rocker einige Pluspunkte sammeln. Nicht immer gelingen ihnen jedoch Song-Muster, die im Ohr bleiben und das Zeug zum Genre-Klassiker haben. Dann laufen die Melodien leer, zerfasern und lösen sich in Lärm auf. Wenn dieser Makel abgestellt wird, sind Black Lung eventuell eine ernsthafte Konkurrenz für Black SabbathMonster Magnet oder vielleicht sogar für die Black Keys.

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