Edward Sharpe & The Magnetic Zeros - PersonA (2016)

Folk in einer speziellen Dimension: Alexander Ebert und sein Gefolge trauen sich, undogmatisch neue Wege auszuprobieren.
Die vielköpfige Folk-Formation Edward Sharpe & The Magnetic Zeros spielt mit den Erwartungshaltungen ihrer Hörer. Sie erschüttern sie, führen auf falsche Fährten und verwirren. Das fängt schon beim Band-Namen an, denn es gibt gar keinen Edward Sharpe. Das ist nur ein erfundener Charakter des Gründers Alex Ebert. Und bei den Arrangements zu den Songs setzt sich das Täuschen und Tarnen fort: „Hot Coals“ klingt zunächst wie eine akustische Folk-Nummer. Die einsetzende hohe Männerstimme scheint sich aus dem Cabaret-Sektor in das Stück verirrt zu haben. Dann wird plötzlich Tempo aufgenommen und ein Piano übernimmt kurz die Leitung. Seltsame Stimmen, Chöre, Orgelgrollen und jazzige Percussion sorgen außerdem für Tumult. Ganz schön skurril, aber auch hochinteressant und aufregend ist es, wie diese unterschiedlichen Eindrücke zu einem stimmigen Song zusammengebracht werden. Zusätzlich tauchen noch Trompeten auf, die auch echoartig agieren. Nach und nach werden Orgel- und Synthesizer-Wälle aufgebaut, die diesen ganzen Zauber absorbieren. Das ist ein Tummelplatz voller überraschender Eindrücke, der eine Vielfalt von Emotionen beherbergt.
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„Uncomfortable“ beginnt mit schnellen, rückwärts abgespielten Tönen. Die dann einsetzende Stimme erinnert hinsichtlich der Dringlichkeit und Färbung an Nina Simone, obwohl sie zum Frontmann Alex Ebert gehört. Der Komponist, Gitarrist und Pianist hat den Lead-Gesang gänzlich übernommen, nachdem Sängerin Jade Castrinos 2014 die Gruppe verließ. Der Song bekommt durch ihn Züge einer beschwörenden, einpeitschenden Predigt. „Somewhere“ ist ein Folk-Song, der sowohl Inhaltsstoffe von „Here Comes The Sun“ der Beatles enthält, wie auch vom Folk-Rock der Byrds genascht hat. Aber ohne besondere Wendung läuft auch dieses Lied nicht ab. Zum Schluss wird es noch in ein zwangloses, ausgelassenes Hippie-Happening überführt.
„No Love Like Yours“ präsentiert optimistische Pop-Folklore mit kurzen Klassik-Ausflügen. Der ungebremste Ausdruck von Lebensfreude wird dabei in den Vordergrund der Handlung gestellt.

Groovender Afro-Jazz wurde für „Wake Up The Sun“ mit emotional ausuferndem Gesang, der sich in hohen Ton-Regionen abspielt, zusammengebracht. Das ergibt ein großartiges, eigensinniges und fesselndes Hörerlebnis. Im Grunde genommen ist „Free Stuff“ rhythmisch zwischen Kinderlied und Marsch angesiedelt. Da dürfen dann auch Tubas und Trompeten nicht fehlen.
Verwehten, elegischen Drama-Pop, der eine Minute vor Schluss noch Weltmusik-Dynamik und damit ein ausgelassenes Tempo verliehen bekommt, gibt es bei „Let It Down“ zu hören. Eine sinfonische Folk-Jazz-Dichtung mit Tiefgang, sehnsüchtigem Trompeten-Solo und schwelgenden Streichern wird dann mit „Perfect Time“ geboten. „Lullaby“ ist eine romantische Piano-Ballade mit Klassik-Bezügen und angedeuteten Abstechern ins Pop-Lager. Verwinkelter Sunshine-Pop mit freundlichen, unbekümmerten Flower-Power-Assoziationen und einer Herb Alpert-Gedächtnis-Trompete zeichnet dann zum Schluss „The Ballad Of Yaya“ aus.
Abwechslung und das undogmatische Ausloten von Ausdrucksmöglichkeiten sind Trumpf bei „PersonA“. Das neueste Opus der Kalifornier hat den skurrilen Charme des Hippie-Folks von Pearls Before Swine um Tom Rapp. Edward Sharpe & The Magnetic Zeros überführen den Folk zusätzlich noch in eine ungewohnte Dimension. Sie lassen den treibenden, schwungvollen Mumford & Sons-Stil hinter sich und öffnen sich einem grenzfreien Fusions-Gefüge, bei dem alle Querverbindungen möglich erscheinen. Das ist innovativ, abenteuerlich und zukunftsweisend!

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