Frøkedal - Hold On Dreamer (2016)
Folk-Pop aus dem hohen Norden. Frøkedal fängt die Melancholie der Dunkelheit ein, ohne in ihr zu versinken.
Anne Lise Frøkedal hat sich ihre Sporen in der Osloer Band Harrys Gym und als Mitglied des Musiker-Kollektivs I Was A King verdient. Nun geht sie eigene Wege, ohne die Brücken zur Vergangenheit abzubrechen. Ihr Debüt wollte sie mit einem reduzierten Sound versehen, der aber trotzdem dynamisch sein sollte. Für die Realisierung dieses Vorhabens stellte die Norwegerin eine Band aus ihr nahestehenden Musikern zusammen: Olav Christer Rossebø an der Violine, Erlend Ringseth an den Keyboards, Thea Glenton Raknes als Percussionistin und Sängerin sowie Ingeleiv Berstad (Violine, Baglamas und Gesang).
Bei der lieblichen Folk-Ballade „W.O.Y“ und dem Dream-Pop von „Cherry Trees“, der wie von Goldfrapp inspiriert klingt, verwendet Frøkedal ein Rhythmus-Gerüst, dass an die dritte Velvet Underground-Platte gemahnt. Im Hintergrund dieser Lieder herrscht nämlich ein ähnlich stumpfer, trockener Tamburin-basierter Takt. Weiter geht es mit „The Man Who Isn`t Here“, das seine Wurzeln im englischen und irischen Folk hat. Dieses Stück ist mitfühlend, melodisch reich und von erlesener Intimität. „The Sign“ zeigt Frøkedal dann lebhaft, aber nicht total ausgelassen. Der optimistische Folk-Pop wird durch Bläser ergänzt, was den Track mächtig erscheinen lässt.
Die traurige Komposition „Misery“ ist mit schwebend-sphärischen Tönen, die auch mal entfernt an eine Drehleier denken lassen, ausgestattet. Diese Klänge führen zu dem Eindruck, es handle sich um so etwas wie Space-Folk, womit ein Abstecher in eine exotische Richtung gelungen ist. Bedeutungsschwere Inszenierungen werden dem ruhigen „Dream“ verabreicht. Schwelgende Synthesizer-Wolken unterstützen den vernebelten Eindruck. Leider ist der eingesetzte Gesang etwas zu süßlich ausgefallen. Das gediegene „Don`t Look Back“ bekam eine coole Rhythmus-Zuordnung, die genau an der Schnittstelle zwischen Nachdenklichkeit und Ausgelassenheit angesiedelt ist. Romantischer Folk-Pop wird mit „Demented Times“ verabreicht. Das schmeckt lieblich-süß, ist aber nicht überzuckert.
Zugänglicher Elektro-Pop mit zurückhaltendem Gesang und flott gestaltetem Rhythmus wird für „Kid“ zusammengesetzt und mit „Eclipse“ gibt es dann noch einen versunkenen, ruhigen, traurigen Schlusspunkt. Die sanfte Folk-Pop-Interpretin Frøkedal tappt nicht in die Esoterik-Falle. Ihre Songs sind weit mehr als Kaugummi fürs Gehirn. Sie bewahren weitestgehend Bodenhaftung und sind manchmal erfrischend unüblich modelliert worden. Der Gesang bewegt sich zwar in höheren Stimmlagen, ist aber selten entrückt und abgehoben. Die Künstlerin lässt immer dann besonders aufhorchen, wenn sie die ausgetretenen Pfade des Schmuse-Folk verlässt und ungewöhnliche Kombinationen ausprobiert.
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